Muskelschwund bekämpfen: Strategien für den Erhalt deiner Muskelkraft! Blog#104

Muskelschwund, medizinisch als Sarkopenie bekannt, beschreibt den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse und -funktion, der nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, sondern auch die Lebensqualität erheblich mindern kann.

Doch was sind die genauen Ursachen für diesen Prozess und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um ihm entgegenzuwirken? Dieser Blogartikel beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe und präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse. 

Natürlicher Muskelschwund im Alter

Mit zunehmendem Alter erleben die allermeisten Menschen eine natürliche Abnahme der Muskelmasse. Studien zeigen, dass ab dem 50. Lebensjahr die Muskelmasse jährlich um etwa 0,8 Prozent abnimmt. Epidemiologische Studien belegen, dass etwa 5–13 % aller 60–70-Jährigen und bis zu 50 % der über 80-Jährigen von Sarkopenie betroffen sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Hormonelle Veränderungen, eine reduzierte Regenerationsfähigkeit der Muskeln und eine oft einhergehende Abnahme der körperlichen Aktivität spielen eine Rolle.

Muskelschwund hat schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen. Eine reduzierte Muskelmasse führt zu einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit, erhöht das Sturzrisiko und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Zudem spielen Muskeln eine wichtige Rolle im Stoffwechsel, sie sind maßgeblich an der Regulation des Blutzuckerspiegels beteiligt und tragen zur Fettverbrennung bei. Ein Verlust an Muskelmasse kann somit zu einer Verschlechterung der Stoffwechselgesundheit führen und das Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Studien zeigen, dass Sarkopenie auch mit einer erhöhten Mortalität verbunden ist.

Die Muskelmasse kann am genauesten mit Hilfe der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) bestimmt werden. Diese Messung ist allerdings sehr aufwändig und daher wird häufig alternativ eine Bioimpedanz-Messung genutzt um die Körperzusammensetzung zu bestimmen. Dabei wird ein geringer Strom durch den Körper geleitet und die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Fett, Muskeln und Wasser ermöglicht die Berechnung der Körperzusammensetzung. Diese Methode ist nicht so genau wie Laborverfahren, aber für eine grobe Einschätzung ausreichend. Ich nutze seit Jahren eine "einfache" Omron Waage (LINK) und erhalte beim täglichen Wiegen folgende Daten: Körpergewicht, Body-Mass-Index, Körperfettanteil, Vizeralfettanteil und Skelettmuskelanteil. Ein Vergleich der gemessenen Werte zu den altersabhängigen Normwerten ist aufschlussreich. Zum Beispiel sollte der Skelettmuskelanteil für einen 60-jährigen Mann im Bereich von 32,9 - 38,9% liegen.

Prävention der altersbedingten Sarkopenie

Um Muskelschwund zu reduzieren, sind regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Proteinen entscheidend. Insbesondere Krafttraining und Widerstandsübungen sind äußerst effektiv, um Muskelmasse und -funktion zu erhalten oder sogar zu verbessern. 

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine erhöhte Proteinaufnahme, insbesondere der verzweigten Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, förderlich für die Prävention und Behandlung der Sarkopenie ist. Diese Aminosäuren stimulieren die Proteinsynthese, verringern den Abbau von Muskelproteinen und kommen in hohen Konzentrationen in Rindfleisch, Lachs, Milchprodukten, Eiern sowie in Sojaprodukten und in geringeren Mengen in Hülsenfrüchten vor. 

Durch die gezielte Erhöhung der Proteinzufuhr und regelmäßiges Training können ältere Menschen effektiv Muskelmasse aufbauen und ihre Muskelkraft erhalten, was zu einer verbesserten Lebensqualität führt.

Muskelverlust durch neuartige Abnehmmedikamente

Neuartige GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid (Wegovy) oder der duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid (Mounjaro) sind als Mittel zur Gewichtsreduktion bei Adipositas sehr wirksam und werden allgemein als neue Wunderwaffe zum Abnehmen angesehen. Allerdings verlieren die Patienten in der Regel nicht nur Fettgewebe, sondern auch Muskelmasse. Dies ist besonders problematisch, da die Erhaltung der Muskelmasse für die metabolische Gesundheit und die körperliche Funktionalität entscheidend ist. 

In Studien beträgt der Anteil der Muskelmasse am Gewichtsverlust durch GLP-1-Agonisten 20 bis 40 Prozent. Das bedeutet, dass eine 100 Kilogramm schwere Person, die im Laufe eines Jahres durch Medikation mit Wegovy beispielsweise 20 Kilogramm Körpergewicht verliert, auch etwa 6 Kilogramm Muskelmasse abbaut. Diese Erkenntnis motiviert Medikamentenentwickler, nach einem Wirkstoff zu suchen, der den Muskelverlust während der Gewichtsabnahme verhindern kann. Ein solches Medikament könnte sowohl gegen den altersbedingten Muskelschwund als auch gegen den durch Gewichtsverlust bedingten Muskelschwund eingesetzt werden.

Innovative neue Medikamente gegen Muskelschwund

Ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung der Sarkopenie zielt darauf ab, die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Apelin nachzuahmen. Dieses Peptidhormon wird aus Muskelzellen nach körperlicher Betätigung vermehrt aus Muskelzellen freigesetzt und gehört zu den sogenannten Myokinen (muskeleigene Botenstoffe) oder Exerkinen (bewegungsabhängige Botenstoff). Apelin kurbelt den Stoffwechsel an und fördert die Glucoseaufnahme in die Zelle, was die Insulinsensitivität erhöht.

Forschern des Biotech-Unternehmens BioAge gelang die Entwicklung von Azelaprag, einem Apelin-Rezeptoragonisten (LINK). Diese potente niedermolekulare organische Verbindung ist oral bioverfügbar, was bedeutet, dass sie als Tablette verabreicht werden kann. Azelaprag wurde ursprünglich als Anti-Aging-Medikament entwickelt, da die Apelin-Ausschüttung mit zunehmendem Alter abnimmt. 

In einer Studie mit 21 gesunden Senioren, denen 10 Tage Bettruhe verordnet wurde, zeigte das Medikament eine gute Verträglichkeit und reduzierte im Vergleich zu einem Placebo die Muskelatrophie.

In Studien mit adipösen Mäusen führte die Kombination von Azelaprag mit Eli Lillys Gewichtsverlustmedikament Tirzepatid zu einem größeren Gewichtsverlust als Tirzepatid allein und verbesserte die Muskelfunktion und die Körperzusammensetzung. Ob diese präklinischen Ergebnisse in Mäusen auf den Menschen übertragbar sind, wird in einer im Jahr 2024 beginnenden klinischen Studie mit Azelaprag/Tirzepatid überprüft. Da Azelaprag oral verabreicht wird, sollte die Einnahme zusammen mit einem GLP-1-Agonisten, der subkutan injiziert werden muss, keine große Belastung für die Patienten darstellen. 

Ähnliche Effekte könnten möglicherweise durch eine alternative therapeutische Strategie erreicht werden, nämlich durch Hemmstoffe der Myokine Myostatin und/oder Activin A. Diese Botenstoffe verhindern einen übermäßigen Muskelaufbau. Menschen und Tiere mit einem Gendefekt im Myostatin-Gen entwickeln eine außergewöhnlich kräftige Muskulatur. Bisherige Versuche, Myostatin-Antagonisten bei Erkrankungen mit vermehrtem Muskelabbau, wie der Duchenne-Muskeldystrophie, einzusetzen, waren jedoch erfolglos.

Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Regeneron plant nun einen neuen Ansatz und setzt auf eine doppelte Blockade von Myostatin und dem nachgeschalteten Activin A. Mitte 2024 soll eine Phase-II-Studie beginnen, in der der Anti-Myostatin-Antikörper Trevogrumab allein oder in Kombination mit dem Anti-Activin-A-Antikörper Garetosmab und dem GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid getestet wird (LINK). In der Studie soll untersucht werden, ob adipöse Patienten mit dieser Kombination mehr Gewicht verlieren als mit Semaglutid allein, wie sich ihre Körperzusammensetzung verändert und ob das reduzierte Gewicht nach Absetzen von Semaglutid unter Trevogrumab beziehungsweise Trevogrumab/Garetosmab besser gehalten werden kann.

Da Regeneron zwei verschiedene Wege zur Muskelerhaltung anvisiert, könnte dieser Ansatz wirkungsvoller sein als Ansätze, die nur einen Weg verfolgen. Gleichzeitig bedeuten mehr Medikamente jedoch auch ein höheres Risiko für Nebenwirkungen. Zudem sind Trevogrumab und Garetosmab monoklonale Antikörper und daher teuer und kompliziert in der Anwendung.

Fazit

Muskelschwund stellt insbesondere im höheren Lebensalter oder nach starkem Gewichtsverlust eine ernstzunehmende Herausforderung dar. Präventive Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung, gezieltes Krafttraining und eine proteinreiche, gesunde Ernährung sind essenzielle Strategien zur Erhaltung der Muskelgesundheit.

Innovative therapeutische Ansätze bieten neue Hoffnung im Kampf gegen den Muskelschwund und könnten zukünftig eine bedeutende Rolle in der Behandlung dieser Erkrankung einnehmen.
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Verantwortlicher: Klaus Rudolf; Kommentare und Fragen bitte an: rudolfklausblog@gmail.com
Auf diesem Blog teile ich meine persönlichen Meinungen und Erfahrungen . Es ist wichtig zu betonen, dass ich weder Arzt noch Finanzberater bin. Jegliche Informationen, die ich in meinem Blog vorstelle, stellen weder Anlageempfehlungen noch Therapieempfehlungen dar. Für fundierte Entscheidungen in Bezug auf Gesundheitsfragen oder Finanzanlagen empfehle ichsich umfassend zu informieren und bei Bedarf einen professioniellen Experten zu konsultieren.
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